Mit dem Linienbus bis vor die Haustür

 

Mit dem Linienbus bis vor die Haustür

 

Ein Chauffeur der VBZ machte für Rollstuhlfahrer einen Umweg. Den anderen Fahrgästen war es recht.

 

Zürich – Von so viel Hilfsbereitschaft war Marco Müller so gerührt, dass er den VBZ ein langes Dankesmail schrieb. Müller und zwei seiner Kollegen aus dem Mathilde-Escher-Heim waren am Samstagabend auf ihren Elektrorollstühlen an den Afro-Pfingsten in Winterthur unterwegs. Auf dem Weg zurück nach Hause am Balgrist war am Kreuzplatz plötzlich Schluss. Ein Unfall auf der Forchstrasse zwang die Cobra der Linie 11, von der normalen Strecke abzuzweigen. «Auf der Strecke Richtung Balgrist kommen Ersatzbusse zum Einsatz», sagte die Lautsprecherstimme. «Na toll, jetzt müssen wir hoffen, dass der Ersatzbus rollstuhlgängig ist», sagten sich die drei.

Zwar kam dann ein grosser Bus. Der hatte aber nur zwei Rollstuhlplätze. «Kein Problem», sagte der Chauffeur, und mit einem kleinen Trick brachte er alle drei im Bus unter. Unterwegs das übliche Spiel: Die Panne war behoben, und der Busfahrer bekam die Anweisung, nur noch zur Endstation der Linie 77 zu fahren – weitab vom Balgrist.

Die drei jungen Männer wollten den Rest der Strecke mit den Rollstühlen zurücklegen, aber dem Chauffeur war das gar nicht recht. Über den Lautsprecher fragte er: «Darf ich für die Rollstuhlfahrer einen Umweg machen?» Ein lautes Ja der fünf, sechs anderen Fahrgäste schallte zurück. Nach Absprache mit der Leitstelle fuhr der Bus ausserplanmässig bis genau vor die Haustür des Heims. Dort halfen die Passagiere auch noch mit, einen der Rollstühle aus dem Bus zu heben – ein Gewicht von über 150 Kilo. Marco Müller hat von den VBZ bereits eine Antwort auf sein Mail erhalten: Der Chauffeur erhält auch von seinem Vorgesetzten ein offizielles Lob.

Quelle: Tages-Anzeiger, 29.05.2012, Seite 13

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